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Der begabte junge Geiger und Komponist war für ein Jahr nach Wien gegangen, wo Carl Goldmark und Robert Fuchs seine Lehrer waren. Offenbar wollte Sibelius als Berufsmusiker in Wien Fuß fassen. Jedenfalls machte der ausgebildete Geiger im Jänner 1891 ein Probespiel bei den Wiener Philharmonikern, wurde allerdings nicht aufgenommen. An musikalischen Eindrücken nahm Sibelius Aufführungen von Bruckner-Symphonien, Opernaufführungen von «Don Giovanni», «Tristan und Isolde» und «Siegfried» und Strauß-Walzerkonzerte aus Wien mit. Maßgeblich für seine weitere Entwicklung als Komponist war aber die intensive Beschäftigung mit der «Kalevala», die Sibelius auch in Österreich, wo ihn die Bäume des Wienerwaldes an die finnische Heimat erinnerten, als ständige Lektüre dabei hatte. Noch in Wien begann er die «Kullervo»-Symphonie über einen der «Kalevala»-Helden zu konzipieren, die dann ein Jahr nach seiner Rückkehr mit großem Erfolg in Helsinki uraufgeführt wurde. Sibelius wurde spontan als der bedeutendste Komponist seines Landes gefeiert, der dem unter russischer Herrschaft lebenden finnischen Volk eine eigene musikalische Sprache und Identität gab. Der Beginn seiner erfolgreichen Komponistenlaufbahn. Neben Tondichtungen, Schauspielmusiken und konzertanter Musik schrieb Sibelius sieben Symphonien. «Meine Symphonien sind erdacht und ausgearbeitet als Ausdruck der Musik, ohne irgendwelche literarische Grundlage. Ich bin kein literarischer Musiker, für mich beginnt Musik da, wo das Wort aufhört. Eine Symphonie soll zuerst und zuletzt Musik sein.» Eine Achte Symphonie, von Serge Koussevitzky in Auftrag gegeben, hat Sibelius auch komponiert, aber die Partitur schließlich vernichtet. Ende der Zwanzigerjahre, im Alter von 65 Jahren, fühlte sich Sibelius offenbar an einem Endpunkt seiner kompositorischen Entwicklung angekommen. Er beschloss in einer Zeit, in der Strawinski, Schönberg und Hindemith die musikalische Welt veränderten, fortan zu schweigen. Die verbleibenden fast 30 Jahre seines langen Lebens verbrachte der Komponist zurückgezogen in seinem von Bäumen umgebenen Landsitz «Ainola». Das Andante Festivo wurde gegen Ende des Jahres 1922 aus Anlass des 25. Jubiläums der Fabriken in Säynätsalo geschrieben. Es entstand also zeitgleich mit der sechstren Symphonie, wobei die siebte Symphonie zu dieser Zeit allerdings schon im Entstehen war. Mit seinem feierlichen und hymnischen Ton steht das Andante Festivo der siebten Symphonie in der Tat näher. Es ist außerdem mehr ein Beispiel für den reinen Klassizismus der späten Werke. In seiner ursprünglichen Form war dieses Werk für Streichquartett bestimmt, es ist heute aber vor allem bekannt in der von Sibelius später geschaffenen Fassung für Streichorchester mit Pauken ad libitum. |